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Persönlichkeit und Unsterblichkeit

‚In welcher Form existiert ein Weiterleben nach dem zeitlichen Ende?‘.  Es geht um den Standpunkt des Nobelpreisträgers und Naturwissenschaftlers Wilhelm Ostwald  zum Thema Unsterblichkeit des Menschen.

Das neu veröffentlichte Buch ist die deutsche Übersetzung eines Vortrages, den der Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald an der Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten gehalten hat. Der Vortrag folgte der Bestimmung, dass er sich auf die Unsterblichkeit des Menschen beziehen, und dass die Wahl des Vortragenden nicht durch sein religiöses Bekenntnis oder seinen Beruf beschränkt sein soll, damit die Wahrheit durch eine möglichst allseitige Behandlung des Problems zutage treten könne.
Nach der Erstveröffentlichung entstand eine lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit, die Ostwald zahlreiche persönliche Zuschriften und viel Zustimmung einbrachte. Eines der bemerkenswertesten Momente ist, dass ihm von lebenserfahrenen Personen, ihre sachliche Übereinstimmung mit seinen Ansichten in warmen Worten ausgesprochen wurde.
Es ist ein außergewöhnlicher Text, der nun endlich wieder neu aufgelegt wurde.

Bibliographische Angaben:
Buchtitel: Persönlichkeit und Unsterblichkeit: In welcher Form existiert ein Weiterleben nach dem zeitlichen Ende?
Autor(en): Wilhelm Ostwald; Klaus-Dieter Sedlacek
Taschenbuch: 52 Seiten
Verlag: Books on Demand
ISBN 978-3-7448-1785-1
Ebook: ISBN 978-3-7448-2493-4
Bezug über alle relevanten Buchhandlungen, Online-Shops und Großhändler – z. B. Amazon, Apple iBooks, Tolino, Google Play, Thalia, Hugendubel uvm.

Rezensionsexemplar: presse(at)bod.de

Der Nobelpreisträger Friedrich Wilhelm Ostwald (1853 – 1932) studiert Chemie an der Universität Dorpat. 1875 wurde er Assistent am physikalischen Institut bei Arthur von Oettingen, später am chemischen Institut bei Carl Schmidt. 1878 beendet er seine Dissertation, die den Titel „Volumchemische und optisch-chemische Studien.“ trug. 1887 wurde er auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Universität Leipzig berufen. Er emeritierte 1906, um dann als freier Forscher zu arbeiten. 1909 erhielt er den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten über die Katalyse sowie seine Untersuchungen über Gleichgewichtsverhältnisse und Reaktionsgeschwindigkeiten. – Ostwald engagierte sich in verschiedenen internationalen wissenschaftlichen Organisationen und setzte sich als visionärer Wissenschaftler für die Nutzung der Sonnenenergie in der Zukunft ein. In der Zeitschrift „Technische Rundschau“ vom 18.6.1930 erschienen seine Vorstellungen unter dem Titel „Energiequellen der Zukunft“. Des Weiteren propagierte er in seinem Vortrag „Die wissenschaftliche Elektrochemie der Gegenwart und die technische der Zukunft“ den zukünftigen Einsatz von Brennstoffzellen.

Neues Buch – Allgemeine moderne Psychologie

Man hat mit Recht drei Hauptwurzeln der Psychologie unterschieden: die praktische Menschenkenntnis, den religiösen Seelenglauben und die biologische Lebenserklärung.
Psychologie als praktische Menschenkenntnis treiben wir alle tagtäglich, wenn wir instinktiv die Gefühle und Stimmungen, die Wünsche und Absichten unserer Mitmenschen erraten, wenn wir ihr Benehmen und Handeln aus ihren Motiven heraus deuten, wenn wir uns Vorstellungen von ihrer Begabung und ihrem Charakter bilden. Je nach Veranlagung, Lebensumständen und Schicksal bringen wir es sehr verschieden weit in dieser praktischen Menschenkenntnis.
Weiter bringt man es, wenn man wissenschaftliche Einsichten der Psychologie für die Aufgaben des praktischen Lebens dienstbar macht und sich überhaupt in den Beziehungen zwischen der psychologischen Wissenschaft und der instinktiv-praktischen Seelenkenntnis auskennt.
Hier hilft dieses Buch, indem es die grundlegenden Kenntnisse der allgemeinen modernen Psychologie systematisch und verständlich vermittelt.

Bibliographische Angaben:
Buchtitel: Allgemeine moderne Psychologie: Systematische Einführung in die Wissenschaft psychischer Prozesse
Autor(en): August Messer; Klaus-Dieter Sedlacek
Taschenbuch: 332 Seiten
Verlag: Books on Demand
ISBN 978-3-7431-7448-1
Bezug über alle relevanten Buchhandlungen, Online-Shops und Großhändler – z. B. Amazon, Apple iBooks, Tolino, Google Play, Thalia, Hugendubel uvm.

Rezensionsexemplar: presse(at)bod.de

Der deutsche Philosoph und Psychologe August Messer (1867 -1937) habilitierte sich 1899 an der Universität Gießen. 1908 bekam er einen Lehrauftrag für experimentelle Psychologie und Pädagogik. In den 1920er Jahren engagierte er sich für die Erwachsenenbildung an Volkshochschulen auf Basis einer modernen Pädagogik. Unter seinen viel gelesenen Werken finden sich Einführungen in die Psychologie, Darstellungen zur Philosophiegeschichte, zur Erkenntnistheorie und zum kritischen Realismus.

Seele und Jenseits aus wissenschaftlicher Sicht

Für uns Menschen hat die Frage nach dem zeitlichen Ende unserer Existenz eine hohe Bedeutung. Nicht der Glaube, sondern die vernunftmäßige Beantwortung durch naturwissenschaftliche Tatsachen sind Aufgabe und Ziel dieses Buchs. Am Ende stehen Zuversicht und das Licht der Erkenntnis.

Zum Buch:
Leben nach dem Leben: Die Befreiung des Bewusstseins von den Fesseln der Zeit (Wissenschaft gemeinverständlich)

Leseprobe: Leben nach dem Leben

Seele und Geist:

Es gibt kaum zwei Begriffe, die ein solches Durcheinander aufweisen wie „Seele“ und „Geist“. Bald bezeichnet man mit beiden dasselbe, bald Verschiedenes, bald nimmt man sie als gleichgeordnete, bald als übergeordnete Begriffe, und auch dann lässt man sie das Verschiedenartigste ausdrücken.

Bei dieser Sachlage scheint es nun das Richtigste, hinsichtlich dieser Begriffe auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückzugeben. Das schuldet man schon der geschichtlichen Wahrheit, und wenn es sich wie hier um Begriffe handelt, in welche die weitere geschichtliche Entwicklung geradezu endlose Verwirrung gebracht hat, dann ist m. E. das einzig mögliche Heilmittel, aus diesem Wirrwarr herauszukommen, dies, dass man auf den ursprünglichen Begriff zurückgeht. —- Und da liegt die Sache nun in der Tat außerordentlich einfach.

Seele“ bezeichnete ursprünglich die Lebenskraft, welche die Lebewesen im Gegensatz zu dem Unbelebten beherrscht und ihre Bewegungen sowie das Wachstum verursacht. Später änderte sich schon in der griechischen Philosophie der Begriff; bereits Aristoteles unterschied die ernährende Seele der Pflanzen von der empfindenden Seele der Tiere und der denkenden Seele der Menschen. Hier ist offenbar schon zweierlei durcheinander geworfen, was unsere weitere Betrachtung wird untersuchen müssen.

Jedenfalls aber hat die neuere Philosophie aufgrund naturwissenschaftlicher Überlegungen ergeben, dass es nicht berechtigt ist, einen sehr scharfen Unterschied zwischen der ernährenden und empfindenden Seele zu machen; ein grundsätzlicher Unterschied ist nicht vorhanden: Wir sind berechtigt, beides als „Seele“ zusammenzufassen.

Nun aber ist ja das, was dieser alte Begriff „Seele“ bezeichnet, gerade die Eigenart des Lebens dem Unbelebten gegenüber, also das, wofür wir einen Ausdruck suchen. Mag man damals auch damit eine falsche Anschauung verbunden haben, im Prinzip bleibt es doch dasselbe. Und wenn wir heute auch nicht mehr von „Lebenskraft“ reden wollen, weil dies Missverständnisse erzeugen könnte, so sind wir doch durchaus berechtigt in der Philosophie, für die Eigenart des Lebens wieder jenen uralten Begriff der „Seele“ in Anspruch zu nehmen.

Nach dem, was wir gesehen haben, ist also „Seele“ die besondere immaterielle Erscheinungsform des Lebens, welche in den Lebewesen die Tätigkeit der chemisch-physikalischen Energien leitet und regelt und damit auch ein informationsverarbeitendes System.

Am Anfang unserer Betrachtungen haben wir gesagt, dass wir auf dem Boden der Wissenschaft bleiben wollen. Gemeint war die Naturwissenschaft. Der philosophische Begriff der Seele ist für unsere Betrachtungen wenig hilfreich. Um stattdessen einen naturwissenschaftlichen Begriff zu verwenden, brauchen wir uns nur ins Gedächtnis zu rufen, wie wir das Bio-Regulationssystem definiert haben und dann mit der Definition der Seele vergleichen. Dabei stellen wir fest, dass beide Definitionen als bestimmendes Merkmal das Leiten und Regeln der chemisch-physikalischen Energien haben. Wir können also statt Seele den Begriff Bio-Regulationssystem oder nur Regulationssystem verwenden, denn beides ist das Gleiche.

Noch auf einen Punkt sei hier hingewiesen. Wir haben gesagt, dass die Erscheinungsform des Lebens, nun sagen wir das Regulationssystem, den Körper beherrscht; das zeigt sich besonders, wenn wir die Entwicklung der Lebewesen betrachten. Auch hier finden wir einen grundsätzlichen Unterschied zwischen „Unbelebtem“ und „Lebendem“.

Im Gegensatz zu allen toten Naturkörpern, deren Bildung sich lediglich durch das Wechselspiel der Energien des Stoffes und seiner Umgebung vollzieht, „entwickeln“ sich alle Lebewesen, d. h., sie bilden sich unter stufenweiser Ausgestaltung von innen heraus aus einem einfachen Zustand zu größerer Vollkommenheit. Hierbei entstehen die Organe aus einem vorher gleichartig-ungeschiedenen Zustand, dessen erster Anfang das Ei ist, d. h. eine Zelle, die zwar organisiert ist, aber noch nichts erkennen lässt von den späteren Organen des betreffenden Wesens.

Auch die Ausbildung dieser Organe ist ein Vorgang von höchster Zweckmäßigkeit, ganz beherrscht von den Lebensbedürfnissen des betreffenden Wesens und diesen durchaus entsprechend. Und was ganz besonders bemerkenswert an diesem Vorgang ist: Er erfolgt in Voraussicht und Fürsorge für die Zukunft, in der die Organe erst eine Rolle spielen werden.

Es liegt auf der Hand, dass diese Ausbildung der Organe, diese Entwicklung, ebenfalls ganz unter den von uns gefundenen Begriff der Erscheinungsform des Lebens, also, wie wir jetzt sagen wollen, des Bio-Regulationssystems fällt. Das Regulationssystem hat nicht nur die Aufgabe der Erhaltung des Organismus, sondern auch seiner Bildung. Es ist demnach ein organisierendes Prinzip.

Das Letztere stimmt übrigens ganz überein mit dem, was wir von der Regeneration gesagt haben; denn auch hier ist die Tätigkeit des Regulationssystems eine organisierende.

Das Wesentliche ist bei alledem, dass hier Neubildungen stattfinden, dass es sich also um ein in gewissen Grenzen schöpferisch wirksames Prinzip handelt, wiederum ein ganz bedeutsamer Unterschied zu der rein energetischen Erscheinungsform, welche niemals eine schöpferische Tätigkeit entfaltet.

Das Leib-Seele-Problem:

Es würde sich nun noch um die Frage handeln, in welchem Verhältnis das Regulationssystem zu dem Körper des Lebewesens steht. Damit befinden wir uns vor einem Problem, an dem sich die größten Geister unter dem Stichwort „Leib-Seele-Problem“ bis zum heutigen Tag den Kopf zerbrochen haben; und da können und wollen wir uns nicht unterfangen, diese Frage philosophisch zu lösen, wir können nur allgemein auf naturwissenschaftlicher Basis zu ihr Stellung nehmen.

Es fällt dem Menschengeist unglaublich schwer, ein informationsverarbeitendes System, zu denken, und so ist er denn auch immer wieder darauf zurückgekommen, die Seele als einen, wenn auch noch so feinen Stoff, als ein ätherisches Wesen usw. aufzufassen. Die Informationsverarbeitung, die dahinter steckt, wurde ausgeblendet. Mag man den Stoff noch so fein denken, er bleibt doch eben immer Stoff und als solcher messbar, was für die Seele, als ein informationsverarbeitendes System unmöglich ist. Wir müssen daher die Vorstellung von Seele als ätherischem Wesen fallen lassen.

Wie aber wirkt die Seele, das heißt das Bio-Regulationssystem, auf den Körper ein?

Die Frage lässt sich nach obigen Vorbereitungen recht einfach und ohne ätherischen Körper, ätherischem Wesen oder was auch immer Ätherischem beantworten. Jede Information und damit auch jeder informationsverarbeitende Prozess benötigt in unserer lokalen Welt immer einen stofflichen oder energetischen Informationsträger.

Ein ausgedrucktes E-Mail hat als Informationsträger das Papier. Das Fernsehprogramm benötigt als Informationsträger die elektromagnetischen Radiowellen, die uns das Programm ins Haus bringen und zusätzlich den Fernsehbildschirm als Informationsträger für das Bild, damit wir es betrachten können….

Zum Buch:

Leben nach dem Leben: Die Befreiung des Bewusstseins von den Fesseln der Zeit (Wissenschaft gemeinverständlich)

Leseprobe: Naturphilosophie

Die Entstehung des Lebens: …

Lange und intensiv hat sich die experimentelle Biologie früherer Zeiten mit der Frage der Urzeugung beschäftigt; alle möglichen Mischungen und Lösungen wurden daraufhin untersucht, ob sich in ihnen nicht schließlich von selbst Organismen bildeten. Aber in allen Fällen, in denen die Lösungen durch gründliches Erhitzen keimfrei gemacht und gegen die Außenluft abgeschlossen waren, zeigte sich auch nach noch so langer Zeit kein Leben in ihnen.

Wird durch dies Ergebnis die Unmöglichkeit der Urzeugung bewiesen? Gewiss nicht! Denn wenn man, wie es in den besprochenen Versuchen geschah, aufs Geratewohl irgendwelche Flüssigkeiten herstellt, so darf man sicherlich nicht erwarten, mit irgendeiner nennenswerten Wahrscheinlichkeit diejenigen Umstände getroffen zu haben, die für eine Entstehung lebender Wesen, falls sie möglich ist, notwendig und günstig sind. Erst wenn man die Gesetze des Lebens bis ins einzelne erforscht hätte, dürfte man hoffen, die Bedingungen angeben zu können, unter denen eine Urzeugung möglicherweise zu erwarten wäre: Und dann wäre es an der Zeit, diese Bedingungen planmäßig herzustellen. Vorher hat man es nur mit planlosem Probieren zu tun. Die Sache wurde am falschen Ende angefasst. Die künstliche Erzeugung eines Vorgangs ist freilich ein gutes Kriterium dafür, dass man das Wesen des Vorgangs richtig erfasst hat; dass der Blitz ein elektrischer Vorgang ist, wird am augenfälligsten dadurch bewiesen, dass man mit der Elektrisiermaschine einen Blitz im Kleinen herstellt. Normalerweise steht aber die künstliche Nachahmung einer Sache am Ende, nicht am Anfang der Erkenntnis dieser Sache, und sie ist durchaus keine notwendige Bedingung der Erkenntnis. Es könnte ja sein, dass man die Gesetzmäßigkeit eines Vorganges vollkommen durchschaut, und dass doch zufällige Umstände oder technische Schwierigkeiten die experimentelle Nachahmung unmöglich machen. Die tatsächliche Beobachtung einer generatio aequivoca wäre also nicht notwendig, um die mechanistische Anschauung zu beweisen — wäre sie aber vielleicht dazu hinreichend? Wäre mit der Feststellung, dass das Leben aus toter Materie entstehen kann, ein sicherer Beweis gegen die Autonomie des Lebens geliefert?

Man muss wohl zugeben, dass die Möglichkeit einer mechanistischen Erklärung der Lebensvorgänge dadurch wahrscheinlich gemacht wäre, aber bewiesen wäre sie nicht; dazu wäre auf jeden Fall eine restlose Erkenntnis der inneren Vorgänge bei der Lebensentstehung erforderlich. Gesetzt nämlich, man hätte das Vorkommen einer Urzeugung in irgendeinem Fall nachgewiesen, so dürfte man doch nicht ohne Weiteres schließen, dass die Gesetze der Lebensvorgänge dieselben seien wie die Gesetze der anorganischen Natur. Manche Vitalisten nehmen z. B. an, dass alle Lebenserscheinungen auf der Wirksamkeit eines besonderen nichtphysikalischen Faktors, „Seele“ genannt, beruhen; nach ihrer Meinung ist Leben mit Beseelung identisch, und das Wesen der Seele bestehe eben darin, dass sie ihre eigenen Gesetze habe, die von den physikalischen Gesetzen, denen alles Tote gehorcht, grundverschieden seien. — Diese Ansicht könnte das Erscheinen von Lebewesen in einem sterilisierten, verschlossenen Gefäß, wenn dergleichen beobachtet würde, durch die Annahme erklären, dass unkörperliche Seelen (für die es ja physische Hindernisse nicht zu geben brauchte) in das Gefäß eingedrungen wären (in welchem Fall allerdings von einer eigentlichen Neuentstehung des Lebens nicht gesprochen werden dürfte), oder aber einfach darin entstanden seien. Der Vitalist könnte etwa behaupten, dass bei einer ganz bestimmten Konstellation der physikalischen Geschehnisse plötzlich eine „Seele“ sich bilde, und dass von da ab die Prozesse nicht mehr nach rein physikalischen Regeln verlaufen. Vorausgesetzt, dass sich mit dem Worte „nichtphysikalisch“ ein bestimmter angebbarer Sinn verbinden lässt, ist nicht einzusehen, wie man diese vitalistische Annahme als falsch erweisen wollte, solange eben der intime Verlauf der hier vorausgesetzten Prozesse nicht bis ins einzelne bekannt ist. Auf diesen Verlauf kommt alles an, und es gibt daher kein andres Mittel, die Autonomiefrage zu entscheiden, als die Gesetze des Lebens selbst kennenzulernen und mit denen der anorganischen Welt zu vergleichen. Alle übrigen Untersuchungen, selbst von so fundamentalen Fragen wie die Urzeugung, tragen zur Lösung des Problems nur insofern etwas bei, als sie auf jene letzten Lebensgesetze selber Licht werfen. Allerdings hat die Frage der Urzeugung auch unabhängig von ihrer Bedeutung für das große Hauptproblem ein besonderes Interesse, und man hat versucht, ihr auf indirektem Wege beizukommen. — Wäre es richtig, dass ein lebendes Wesen immer nur aus einem andern lebenden Wesen entstehen kann, dass also eine generatio aequivoca mit den Naturgesetzen unvereinbar ist, dann müsste das Leben entweder so alt sein wie die Welt selber, oder sein Erscheinen in der Welt müsste einer Durchbrechung der Naturgesetze, d. h. einem besonderen „Schöpfungsakt“ zu verdanken sein. Die letztere Möglichkeit kann, obwohl z. B. noch Goethe für sie eintrat, nicht wohl zum Gegenstand wissenschaftlicher Erörterung gemacht werden; es bleibt also nur die erste Möglichkeit zu diskutieren, dass das Leben von jeher da gewesen sei. Nun kann man mit Bestimmtheit sagen, dass der heute mit so blühendem Leben bedeckte Erdball einst eine feurige Kugel war, auf der kein lebender Organismus existieren konnte. Wer also die Urzeugung verneint, muss glauben, dass lebendige Wesen nachträglich auf die Erde gelangen konnten. Ließe sich andrerseits zeigen, dass eine solche Möglichkeit nicht besteht, so wäre damit die Annahme einer Urzeugung auf der Erde zu einer Notwendigkeit geworden. Können also die Vorfahren des irdischen Lebens auf fernen Sternen heimisch gewesen sein?

Lebendige, von fremden Weltkörpern kommende Keime, die auf den Erdball niederfallen sollen, müssten eine Reise durch den kalten leeren Weltraum über ungeheure Entfernungen überstehen können, und man hat verschiedene Hypothesen, die sogenannten Panspermiehypothesen, aufgestellt, um eine solche zunächst sehr unwahrscheinlich anmutende Annahme plausibler erscheinen zu lassen. Die Panspermiehypothesen behaupten, dass in den weiten Räumen zwischen den verschiedenen Sonnensystemen zahllose lebensfähige Keime umherirren und gelegentlich in die Atmosphäre von Planeten gelangen, auf denen sie sich weiter entwickeln können. Nach der einen Ansicht (Lord Kelvin, Helmholtz) sind es die Meteoriten (jedermann als „Sternschnuppen“ bekannt), welche in ihren Ritzen die kleinen Organismen beherbergen und den Transport besorgen sollen, nach der andern (Arrhenius) sollen die Keime einzeln frei im Raum schweben und durch die Kraft des Lichtdrucks von einem Fixsternsystem zum andern befördert werden. Auf jeden Fall würde eine solche Reise Jahrtausende dauern, und uns ist nicht bekannt, ob das Leben, das doch jedenfalls ein Prozess ist, in irgendeiner Form die Fährnisse einer solchen Irrfahrt (Kälte des Weltraumes, Hitze der Strahlung, Mangel an Feuchtigkeit usw.) so lange auszuhalten vermag. Die Hypothese, dass es derartig widerstandsfähige Keime gibt, bleibt prinzipiell möglich; aber man bewegt sich bei solchen Erwägungen vorläufig ganz und gar auf dem Gebiet bloßer Annahmen, irgendeine triftige Entscheidung nach der einen oder andern Seite ist nicht möglich, der Naturphilosoph findet keinen sicheren Halt, wo er seinen Fuß aufsetzen kann.

Auch die Verteidiger der Urzeugung, die also keiner Panspermiehypothese bedürfen, können über die Entstehung des ersten Lebens auf der Erde nur mithilfe vager Vermutungen Auskunft geben. Im Allgemeinen sind sie bestrebt, das erste Auftreten von Organismen auf der Oberfläche unseres Planeten als einen Schritt in einer äußerst langen natürlichen Entwicklung aufzufassen. Man denkt sich, dass mit zunehmendem Alter der Erde allmählich immer kompliziertere chemische Verbindungen sich bildeten, bis schließlich — entweder durch einen glücklichen Zufall oder in strenger Folgerichtigkeit des Fortschritts — jene hochverwickelten labilen Substanzen ins Dasein traten, welche wir als Träger der Lebensprozesse kennen; und man fasst diese Bildung als die Fortsetzung eines kosmischen Evolutionsvorganges auf, der mit der allerleichtesten der chemischen Elemente beginnt (aus denen nach den Ergebnissen der Astrophysik die heißesten, vermutlich jüngsten Sterne allein aufgebaut sind), dann über die schwereren Elemente weitergeht (die sich auf den weniger hellen Sonnen finden) und schließlich bei den erkalteten, schon mit einer festen Kruste versehenen Weltkörpern zu den kompliziertesten Verbindungen führt. Besonders Herbert Spencer, der Entwicklungsphilosoph par excellence, hat den Gedanken vertreten, dass der Unterschied zwischen den einfachsten organischen Wesen und dem kompliziertesten anorganischen Gebilde unmerklich sei, dass zwischen beiden Reichen keine scharfe Grenze und kein plötzlicher Sprung bestehe, dass man also überhaupt keinen bestimmten Zeitpunkt angeben könne, an welchem das Leben auf der Erde zuerst aufgetaucht sei.

Man darf zugeben, dass diese Gedankengänge ungefähr das enthalten, was vorsichtigem Denken als die annehmbarste Vorstellung des wahren Sachverhalts erscheinen wird; es ist aber zugleich klar, dass diese Vorstellung dermaßen unbestimmt und allgemein ist, dass ihr eine wesentliche Bedeutung für die Naturerkenntnis und -philosophie nicht zugesprochen werden kann. Abgesehen davon, dass der Entwicklungsprozess, der vom Einfachen zum Verwickelten hinaufführen soll, selber gänzlich unaufgeklärt bleibt, wird das ganze Problem so behandelt, als ob der Gegensatz zwischen unbelebter und lebendiger Natur sich in dem Gegensatz zwischen „einfach“ und „kompliziert“ erschöpfe. Es bedarf keines Wortes darüber, dass das Merkmal der Kompliziertheit nicht ausreicht, um die lebendige Substanz zu definieren. Freilich sind die Lebensprozesse vom Standpunkte des Chemikers sehr verwickelt, aber mit der Hervorhebung dieses vagen Umstandes ist nur eine Seite der Sache getroffen, und nicht die wichtigste; zum Mindesten müsste die ganz besondere Art der Kompliziertheit, die beim Leben vorliegt, noch näher bezeichnet werden. Der ganze Gedankengang berührt nur die äußerste Oberfläche der Sache und kommt dem Kern nicht nahe. Dies zeigt sich auch daran, dass nur mit dem Substanzgedanken gearbeitet wird, der ja, wie wir wissen, zur Formulierung und Lösung des Problems gänzlich unzureichend ist. Komplizierte Substanzen sind noch nicht lebendige Substanzen; und wenn selbst z. B. die Entstehung von Eiweiß durch einen anorganischen Entwicklungsvorgang verständlich gemacht werden könnte, so wäre es zunächst am toten Eiweiß, und das Problem hebt erst an mit der Frage: Wie unterscheidet sich denn lebendes Eiweiß von totem? …

Zum Buch:

Naturphilosophie: Das Wesen von Naturgesetzen und die Erklärung des Lebens. Neubearbeitung. (Wissenschaftliche Bibliothek)