Die Vitalseele der Pflanzen

Wie intelligent sind Pflanzen?Die aktuelle Buchveröffentlichung von Klaus-Dieter Sedlacek behandelt das Thema ‚Sensationelle Einblicke in die geheime Seite des pflanzlichen Wesens‘. Der folgende Textauschnitt gibt dazu einen ersten Eindruck.

Der Gedanke der Beseeltheit alles Lebendigen ist nichts weniger als neu. Aber auch im Rahmen des engeren naturwissenschaftlichen Denkens war er schon aufgetaucht. Fechners „Nanna oder über das Seelenleben der Pflanzen“ war in dieser Hinsicht ein erster und schon weitgehender Versuch. Damals nahm man das nicht „ernst“. Man betrachtete es bloß als poetische Schrulle eines sonst hochverdienten Gelehrten.
Heute ist uns die Vorstellung von der Beseeltheit der ganzen Organismenwelt, also auch der Pflanze, schon viel, viel mehr als eine poetische Schrulle oder ein poetisches „Gleichnis“, — sie ist für viele, welche an den Dingen der Natur mehr zu sehen verstehen als bloß äußere Hüllen, eine Erkenntnis, ein tiefes Erfassen des dem Leben Wesentlichen geworden.


Das übliche Denken stutzt natürlich bei dieser ungewöhnlichen Gedankenverbindung. Man denkt ja bei dem Worte „Seele“ sogleich an sein eigenes Erleben, an Schmerz und Lust, an Leid und Freude, an Gedankenwelt und laienreiche Willenskraft. Das kann es doch bei der Pflanze nicht geben! Allerdings, — das alles gerade nicht, besonders Gedanken werden wir der Pflanze wohl noch weniger zumuten dürfen, als schon dem Tier. Wenn aber der Mensch so nur an sich denkt, an sein eigenes inneres Erleben, so fragt er dabei um das eine nicht: woher denn die Grundlagen dessen kommen, was ihm überhaupt erst die Möglichkeit innerer Erlebnisse gibt. Tausende und Tausende schwören auf den Gedanken einer Entwicklung der Organismenwelt, — dass aber dasjenige, was auf dem Höhepunkte der organischen Entwicklung (beim Menschen) bis zum Selbstbewusstwerden vorgeschritten ist (nämlich das innere Wesen des Lebendigen, das „Vitalseelische“), auch sich entwickelt haben und seine „Vorstufen“ aufweisen müsse, davon wollen sie nichts hören, das heißt: Sie geben die Voraussetzungen zu und leugnen die damit verbundenen Folgerungen. Wenn heute noch sogar Naturkundige den Entwicklungsgedanken, so aufdringlich er auch ist, von vornherein ablehnen, so geschieht es gewiss hauptsächlich aus dem Grund, weil er eben diese Folgerung unerbittlich in sich schließt.
Eine andere Schwierigkeit, die sich der Vorstellung einer „Beseeltheit“ der Pflanze entgegenstellt, ist die Gewohnheit des üblichen Denkens, die Begriffe „Seele“ und „Ich“ gleichzustellen, und zwar sogleich mit der willkürlichen Beschränkung, dass man nur dort von Seele sprechen dürfe, wo ein Ichbewusstsein angenommen werden kann. Deshalb mag es dem üblichen Denken zunächst als etwas ganz Unerhörtes, als eine ganz verdrehte Irrenhaus-Idee erscheinen, bei der Pflanze von einer Seele zu reden, da man dann ja auch an ein „Ich“ der Pflanze zu denken genötigt ist. Kann denn davon überhaupt die Rede sein, wo doch sehr viele Menschen schon dem höheren Tier kein „Ich“ mehr zuerkennen wollen? Dies Letztere geschieht allerdings deshalb vor allem, weil sich das Tier nicht vor seinen menschlichen Peiniger hinstellen und ihm zurufen kann: Du, lass das! Ich bin genau so eine empfindende Einheit, wie es Dein viel geliebtes Ich ist! Diese Sprache hat das Tier nicht, zu seinem Unglück, denn seine stumme Sprache verstehen die meisten Menschen nicht, oder es ist ihrem rohen Egoismus bequemer, sie nicht zu verstehen. Wenn einem gequälten Tier die natürliche oder durch Dressur aufgezwungene Geduld reißt und es seinem Peiniger in die Fratze springt, da mag diesem doch vielleicht der Schimmer einer Ahnung kommen, dass er da einem „Ich“ etwas allzu rücksichtslos entgegengetreten war. Ist aber bei Tieren, welche entweder von Natur aus dem Menschen gegenüber nicht genügend wehrhaft sind oder denen die Brutalität des Herrn der Schöpfung alle Widerstandskraft gebrochen hat, der angstvolle, scheue, um Schonung bettelnde Blick usw. keine Sprache? Natürlich nicht, — obwohl der stumme Mensch auch keine andere Sprache hat. Der Hund, der sich, um sein bedrohtes „Ich“ zu retten, verkriecht, statt dem gefahrdrohenden Ruf seines Herrn zu folgen, bekommt dafür wohl noch einen besonderen Fußtritt, — die „dumme Bestie“! Ja freilich, — dem Tier gegenüber, nämlich dem schwächeren oder von ihm „gezähmten“ Lebewesen, wo er dies ungestraft tun kann, beweist der Mensch seine „ethische Überlegenheit“. Verdient nicht vielmehr diese ganze aufgeblasene und verlogene Ethik einen kräftigen Fußtritt?
Auch der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird! In diesem Sprichwort liegt eine stillschweigende Anerkennung der Tierpsyche. Die Pflanze aber schlägt nicht aus, wenn man sie berührt, und beißt auch nicht die Hand, die sie abknickt. Und vor allem: Sie schreit nicht, wenn man ihr ein Glied abreißt oder sie sonst wie verletzt! Widerspruchslos lässt sie alles mit sich machen, also kann sie doch keine Empfindung haben? Ohne solche verliert aber scheinbar der Begriff der Psyche allen Sinn, und wo keine Psyche ist, da kann es auch kein „Ich“ geben. Oder ist es anders? Zeigt die Pflanze vielleicht vielfach, dass sie doch Empfindung hat, aber eine Empfindungsfähigkeit, die noch nicht jene Höhe erreicht hat, dass sie der Abwehrbewegung bedürfte und sich in dem nach Hilfe rufenden und höhere vitalseelische Spannung auslösenden Schmerzensschrei entlade? Fühlt es die Pflanze vielleicht doch irgendwie, wenn wir ihr einen Zweig oder eine Blume abreißen, die doch zu ihrer Ganzheit, ihrem „Ich“ gehört? Wir wissen es nicht und können es nicht wissen. Der Mensch aber macht sich solche Dinge leicht: Wenn wir etwas nicht wissen, dann stellen wir fest: Es ist nicht! Wenn es aber am Ende doch ist?

Mehr zum Thema findet sich im Buch.

Bibliographische Angaben:
Buchtitel: Wie intelligent sind Pflanzen?: Sensationelle Einblicke in die geheime Seite des pflanzlichen Wesens
Autor(en): Adolf Wagner; Klaus-Dieter Sedlacek
Taschenbuch: 224 Seiten, € 16,99
Verlag: Books on Demand
ISBN 978-3-7412-7941-6
Ebook: ISBN 978-3-7431-8430-5
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